August Anlass 2026
Ivet Pujol Torres
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Mehr als Schall und Rauch: Kuba zwischen Zigarrenkultur, Wirtschaft und Weltpolitik
ReferentIN: Ivet Pujol Torres, Botschafterin der Republik Kuba in der Schweiz
Doppelt Brennendes ist für den Augustanlass der Zunft zum Stauffacher programmiert: Cuba and Cigars! Wer, wenn nicht Laura Ivet Pujol Torres, Botschafterin der Republik Kuba in der Schweiz, könnte kompetenter über dieses Thema referieren?


Obwohl die aktuelle Lage dieses schönen Landes und die Zigarren im Mittelpunkt stehen, lohnt sich ein Blick auf die Vortragende: Eine Diplomatin mit Herzblut, welche - wie man hört – mittlerweile den Sprung von der karibischen Hitze in den Berner Winter erstaunlich gelassen gemeistert hat. Ihre Ankunft in Bern mitten im Winter beschrieb sie selbst als kleinen Kulturschock. Auch abseits des Wetters dürften Berner Gemächlichkeit und karibisches Temperament nicht zu eng beieinanderliegen. Trost fand sie ausgerechnet in einem Lokal, in dem Musiker die Rhythmen ihrer Heimat spielten – ein Stück Kuba mitten in der behäbigen Bundesstadt also. Nebenbei büffle sie fleissig Schweizerdeutsch, ihr Lieblingswort sei das breitbernerische «äbä».
Unser Gast ist eine Diplomatin durch und durch: Geboren und aufgewachsen in Havanna in einer Seefahrerfamilie. Ihr Vater ist einst zur See gefahren, dafür navigiert sie heute über das manchmal ähnlich wilde diplomatische Parkett. Unter anderem als Generalkonsulin Kubas in Brasilien und nach einer Karriere im kubanischen Aussenministerium als stellvertretende Generaldirektorin, ist sie seit Dezember 2024 als Botschafterin Kubas in der Schweiz und in Liechtenstein akkreditiert.
Welcher Mensch versteckt sich jedoch hinter der Botschafterin? «Privat» bleibt unser Gast bodenständig: Sie gilt als Leseratte, praktiziert Yoga, schwimmt gerne und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihren zwei Kindern, wobei eine Tochter zum Studium in Havanna weilt. Eines ihrer Lebensmottos entlehnt sie dem kubanischen Nationalhelden José Martí: «Jeder Mensch zählt.» In diesem Sinne ist ihr die Unterstützung sozialer Projekte in Kuba auch ein Herzensanliegen, insbesondere die interdisziplinäre Betreuung autistischer Kinder.
Fast undiplomatisch kämpferisch bezieht sie jedoch auch öffentlich Stellung für ihr Land: «Nie sah ich mein Land einer grösseren Gefahr ausgesetzt, angegriffen zu werden, als jetzt. Es tut weh, zu beobachten, wie in der öffentlichen Meinung die Bedingungen dafür geschaffen werden, einen Angriff als etwas Akzeptables zu sehen. Es wird behauptet, Kuba unterhalte chinesische Militärbasen und der russische Geheimdienst sei hier. Es ist auch schlicht lächerlich, zu behaupten, wir seien eine Gefahr für die Sicherheit der USA. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um einen Krieg zu verhindern. Wenn es aber dazu kommt, sind wir bereit, bis zum Letzten zu kämpfen, um unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität zu verteidigen.» Wenn man die aktuelle Weltlage anschaut, kann diesen Worten leider eine grosse Relevanz nicht abgesprochen werden.
Dass auch die Zigarre im Zentrum des Referats steht, überrascht kaum: Havanna und die Zigarrenkultur gehören seit jeher zusammen wie Schoggi und Käsefondue in der Schweiz. Zigarren zählen zudem, neben Rum, zu den letzten stabilen Exportsektoren einer schrumpfenden Wirtschaft. Beides zusammen macht fast ein Viertel der nationalen Exporterlöse aus. Diese Branchen sind damit existenziell für die Devisenbeschaffung, mit welcher lebensnotwendige Importe finanziert werden können. In diesem Sinne betreiben wir Zünfter vom Stauffacher einen für Kuba bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag…
Neben fidelen castronomischen Einflüssen geniessen wir somit im Hochsommer einen interessanten Einblick – wie bei uns üblich aus erster Hand – in ein Land, welches den meisten Zünftern sehr nahe steht. Und dabei kommt mit Bestimmtheit nicht bloss Schall und Rauch heraus! Soweit nötig erfolgt die Übersetzung aus dem Englischen durch einen Mitzünfter.