November Anlass 2026
Vom Girokonto zum Giro d’Italia: Ein Sabbatical auf zwei Rädern
Referent: Carsten Miehling
The Grand Tour – eine etwas andere italienische Reise: Giro d’Italia statt Girokonto – italienischer Strassen- statt elektronischer Zahlungsverkehr.
Getreu Goethes Worten: «Wer in eine Krise gerät, fährt am besten nach Italien» hat es unser Novemberreferent Carsten Miehling gehalten. Nur, dass bei ihm nicht die Dichtkunst, sondern das vorläufige Ende seiner über 20-jährigen Unternehmerlaufbahn den Anstoss gab. Von Krise kann bei ihm somit kaum guten Gewissens gesprochen werden – allenfalls höchstens von Midlife Crisis…

Der ehemalige Zunftmeister vom Stauffacher schwang sich freiwillig für zehn Wochen aufs Fahrrad und durchquerte Italien von oben nach unten und wieder hinauf. Ein Akku wurde ausschliesslich im Handy eingesetzt – sein Antrieb erfolgte mit eigener Willens- und Wadenkraft. Frei nach Eckart von Hirschhausen: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg.»
Bevor Miehling zum Langstrecken-Radler wurde, war er über zwei Jahrzehnte eine feste Grösse im digitalen Schweizer Zahlungsverkehr. Der diplomierte Informatiker (FH) mit Zusatzausbildungen am Swiss Finance Institute, an INSEAD und in Verwaltungsratsführung leitete unter anderem Spezialistenteams bei der UBS und bei Abacus Research, ehe er die e3 AG und die RECON GmbH mitgründete. Aus seiner RECON wurde nach einer Übernahme die PPI Schweiz GmbH, welche er bis August 2024 als Vorsitzender der Geschäftsführung prägte und das Ruder dann an seinen Nachfolger weiterreichte.
Um als abtretender Unternehmenslenker nicht ins Rudern zu kommen, tauschte er das Unternehmensruder gegen den Fahrradlenker ein: Er ersparte es sich, mit 57 Jahren gleich wieder ins Bewerbungskarussell zu stürzen und gönnte sich danach das, was er selbst treffend als «ordentliches Sabbatical im italienischen Frühling» bezeichnete. Das klang, wie er fand, ohnehin deutlich verlockender als laufend «LinkedIn-Profil optimieren».
Dass es ausgerechnet Italien und ausgerechnet das Velo sein muss, überrascht bei näherem Hinsehen kaum: Bekanntlich besitzt unser Mitzünfter seit Jahren eine Wohnung im piemontesischen Domodossola und bietet dort unter miehling.ch Genussradtouren an, vom Tagesausflug nach Mergozzo über ein Wochenende am Lago Maggiore bis hin zur Weinwoche im Piemont. Radfahren, gutes Essen und noch besserer Wein gehören bei ihm also längst zusammen. Und wer Carsten kennt, weiss auch, dass der Rauch weniger von einem rauchenden Colt oder von quietschenden Fahrradbremsen, denn vom Zigarrenkonsum stammt. Wie sonst hätte er es in die Führungsetage der Zunft zum Stauffacher geschafft?
Seine «Grand Tour» orientierte sich lose an Goethes Reiseroute, betont locker, versteht sich, nicht als Kopie. Los ging es in Mailand, dann links den Stiefel hinunter und rechts wieder hinauf, samt Ehrenrunde durch Sizilien. Während zehn Wochen berichtete Carsten wöchentlich live von unterwegs: über Etappen, Begegnungen, Aussichten, Durchsichten, Ansichten und Einsichten, und natürlich – Italien verpflichtet – übers Essen und Trinken. Dolce somit nach dem Essen – aber viel mehr «dolce far niente» ist bei einer derart ausgedehnten Radtour mit regelmässiger Lageberichterstattung sicher nicht drin.
Zurück von seiner Grand Tour berichtet uns nun Carsten aus erster Hand von seiner Reise, seiner Route und der Antwort auf die Frage, ob zehn Wochen Muskelkraft tatsächlich gereicht haben, um Italien einmal ganz zu durchmessen. Möglicherweise ist dieses Thema für einige Zuhörer etwas packender als sein letzter Vortrag vor gut einem Jahrzehnt zu «Trends und Entwicklungen im elektronischen Zahlungsverkehr». Dennoch sind wir auf eine Zahl wirklich gespannt: ob am Ende mehr Kilometer oder mehr zu sich genommene Kalorien zu B(a)uche standen!