Oktober Anlass 2026
Mund-Art: Die schönste Un-Art der Schweiz.
Referent: THOMAS SPÄLTI, BUCHAUTOR
Ein Name sei Schall und Rauch, meinte einst Goethe. Wer im Juli 2021 bereits an der Tafelrunde der Zünfte sass, weiss, dass Namen und Rauch – in diesem Fall bei schallendem Gelächter – gut zusammengehen. Damals nahm uns Thomas Spälti unter dem Motto «Nomen est omen» mit auf eine – teilweise sehr persönliche – Reise durch Familiennamen. Aufgrund der «Nomen» wurden deshalb einige «Omen» zu Mitzünftern verständlich. Nun kehrt der Stadtglarner zu den Zünftern vom Stauffacher zurück! Und diesmal wendet er sich in seinen an uns gerichteten Worten nicht Namen, sondern gleich den Wörtern selbst zu: Unter dem Titel «Was bedeuten Mundartwörter?» geht es darum, woher unsere Mundartwörter kommen, resp. wie sie entstanden sind und was sie eigentlich ursprünglich bedeuteten. Wortschatz und Wortwitz seien uns gewiss.

Wer Thomas noch in Erinnerung hat, ahnt bereits, mit welcher Akribie er auch dieses Mal zu Werke gehen wird. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Frage, warum die Dinge heissen, wie sie heissen, und warum wir selbst so heissen, wie wir heissen. Als gelernter Buchdrucker liegt bei ihm die Liebe zum gedruckten Wort bereits gewissermassen im Blut, und somit ist es kein Wunder, dass er sie irgendwann auch auf das gesprochene ausgeweitet hat. Selbst nennt er sich einen Namen-Suchenden, er sei aber kein Forscher. Er trage zusammen, was andere bereits erforscht hätten. Aufgrund seiner erfolgreichen Suchen erscheint er eher als «Namensfinder» denn als ein «Namenssucher». Dies hat ihn inzwischen zum profiliertesten Namens- und Worterforscher des Glarnerlands gemacht. Und schon um etwas gwünderig zu machen: Warum sagt man de 2 dl-Bier «Herrgöttli», warum sagt man dem Bordell «Puff», warum heisst der Kafi Lutz so, was bedeutet eigentlich «Schüblig» und hatte es im Hot Dog wirklich Hundefleisch?
Sein bislang wohl grösstes Sprachprojekt war das Buch «Wie heisst es da? Die Flurnamen der Gemeinde Glarus», welches er gemeinsam mit anderen Autoren verfasst hat. Rund 2'000 Flurnamen aus Glarus, Riedern, Netstal und Ennenda wurden darin auf über 300 Seiten dokumentiert, manche davon sind bis zu 2’600 Jahre alt und offensichtlich noch immer bekannt. Drei Jahre und rund 150 Mitwirkende brauchte es dafür, und unser Gast investierte als «Heber und Leger» des Projekts rund 80 Prozent seiner Arbeitszeit, grösstenteils unentgeltlich. Als Faustregel lernte er dabei: Ein Flurname gilt erst dann als gesichert, wenn ihm mindestens 25 Personen für denselben Flecken Land verwenden. Bei über 40 Zünftern gilt somit der Flurname «Werdguet» für «Wärli di gueti Oase voll Gnuss» als gesichert.
Von Familien- und Flurnamen ist es wohl kein grosser Schritt zu Mundartwörtern, mit denen wir die erstgenannten tagtäglich beschreiben. Zu bedenken sei jedoch dabei, dass auch im Sprachgebrauch Fingerspitzengefühl gefragt sein kann: Mundartwörter sollten respektvoll verwendet werden, der Kontext und die Bedeutung sollen vorher geprüft sein, und nicht jedes Wort eignet sich für jeden Rahmen! Und zusätzlich ungeschickt ist, wenn ein Wort an verschiedenen Orten unterschiedliche Bedeutungen hat…
Auf nur ein Wort wird unser Gast sicher nicht zu uns kommen, «Nur ein Wort» ist hingegen der Titel seines 2022 erschienenen Buchs. Es ist eine humorvolle und abwechslungsreiche Reise in die Schweizer Mundart: In etwa 70 Geschichten wird die Herkunft von rund 700 schweizerdeutschen Ausdrücken erklärt. Nur rund zwei Jahre später hat er mit seinem jüngsten Werk, diesmal über Braunwald und dessen rund 300 Flurnamen, seiner Wortsammlung ein weiteres Kapitel hinzugefügt.
Freuen wir uns somit auf einen Wiederholungstäter, der den Zünftern vom Stauffacher bereits einmal wortwörtlich bewiesen hat, dass die Herkunft des Wortes äusserst unterhaltsam sein kann.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich dabei um einen Namen, um eine Flurbezeichnung oder schlicht um ein gutes Mundartwort handelt. Wie sagt das bekannte Sprichwort: «Ein Referent sagt mehr als tausend Worte». In diesem Sinne wird der Zunftgast bestimmt Referat und Wort halten!